„Sommerabend voll Rosenduft“ – Klezmer and more mit der Band Freylechs

Eine Veranstaltung des „Himmel und Ääd e.V.“ und des „Städtepartnerschaft Ganey Tikva-Bergisch Gladbach e.V.“ im Rahmen des Kultursommers 2026

Ein „Sommerabend voll Rosenduft“ so lautete die poetische Überschrift der Klezmer-Band Freylechs (Die Fröhlichen) über ein vielfältiges Programm mit Musik und Poesie zum Thema „Liebe“. Angefangen bei einem glücklichen Vater, der auch seine jüngste Tochter endlich verheiratet hatte – Di Mesinke oisgegebn -, hörten die gut 100 Gäste Stücke, die besonderen Frauen und der romantischen Liebe gewidmet waren: Antonia’s Theme und Ursulas Freylach. Erev shel shoshanim, ein traditionelles Klezmer-Lied, beschrieb den „Abend der Lilien“, häufig auch mit „Abend der Rosen“ übersetzt. Mit All of me bot Freylechs einen kurzen Abstecher in die Jazz-Musik. Der Song von Gerald Marks und Seymour Simons fragt, warum nimmst du nicht alles von mir? Den Schlusspunkt vor der Pause durften die Beatles setzen. Freylechs intonierte Michelle: Die Liebenden sprechen keine gemeinsame Sprache, sie nutzen daher die Musik zur Kommunikation.

In den zweiten Teil lud ein erotischer Tango ein: La Cumparsita, eigentlich kein klassisches Liebeslied, sondern eher ein Karnevalslied, das den kleinen Umzug beschreibt und die Liebe zum Leben feiert. Dieses Thema wurde mit Tantz, tantz Yiddelekh weiter vertieft. Mit den drei folgenden Klezmer-Lieder wurde der religiöse Aspekt der Liebe betont: Yism’chu Hashamayim entstammt der chassidischen (mystisch und orthodox orientiert) Tradition und besingt die Freude an der Schöpfung. Y’varech’cha bittet Gott, den Herrn, um seinen Segen. Ose shalom, ein traditionelles Friedenslied ist sehr aktuell: „Der du Frieden schaffst in der Höh‘, gib deinen Frieden auch auf Erden deinem Volke Israel. Amen, amen.“ Der zweite Teil wurde mit einer fröhlichen Gratulation an das Brautpaar bei seiner Hochzeit beschlossen: Choson-Kala-Mazeltov.

Freylechs interpretierte alle Musikstücke in eigenem Arrangement. Das zeichnet die Musiker aus, ebenso wie Herzblut und Können. Der Leiter der Band, Rolf Faymonville ließ es sich auch beim diesjährigen Konzert nicht nehmen, Texte und Erzählungen beizusteuern, die die Botschaften der vorgetragenen Lieder unterstrichen. Ein Schmunzeln zauberte der Vortag aus dem Alten Testament auf die Lippen der Zuhörinnen und Zuhörer: „Siehe, schön bist du, meine Freundin, siehe, du bist schön. Hinter dem Schleier deine Augen wie Tauben. Dein Haar gleicht einer Herde von Ziegen, die herabzieht von Gileads Bergen…“ (weiter: Hohelied 4,1-7).

Ein wichtiges Thema des Christentums ist die Liebe zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst. Die Botschaft Jesu lautet: Nur wer sich selbst liebt, kann auch den Nächsten lieben. Selbstliebe ist aber nicht mit Egoismus gleichzusetzen, es geht vielmehr darum, sich selbst mit seinem Wesen wertzuschätzen.

Der Chassidische Rabbi Sussja sagte daher auf seinem Sterbebett: „In der kommenden Welt wird man mich nicht fragen: Sussja, warum bist du nicht Mose gewesen? Man wird mich nicht fragen: Warum bist du nicht David gewesen? Man wird mich fragen: Warum bist du nicht Sussja gewesen?“ Wichtig ist: Ich bin kein anderer, ich bin ich und ich darf mich entfalten.

Mit zwei Zugaben schlossen Freylechs das Konzert. Margret Grundwald-Nonte, Himmel un Ääd, bedankte sich für die eindrucksvollen musikalischen und poetischen Beiträge, die all das zusammenfassen, was uns und die Welt bewegt: Liebe, Freundschaft, Frieden.

Den Gästen bleibt ein Abend voll fröhlicher, aber auch melancholischer Musik, voll heiterer aber auch nachdenklich stimmender Poesie. Nächstes Jahr treffen wir uns wieder mit Freylechs im Garten der Begegnung in Schildgen!

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