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Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde von Ganey Tikva,

im Augenblick sehen wir mit gemischten Gefühlen nach Israel und seinen Nachbarn, und angesichts des Leids in Gaza sind viele Israel-Freundinnen und -Freunde verstummt. Wir wollen dabei die Situation in unserer israelischen Partnerstadt nicht vergessen. Darum haben wir uns in Ganey Tikva nach der aktuellen Situation erkundigt. Bürgermeisterin Lizy Delaricha schreibt am 09.04.2024:

"Die Lage im Land ist schwierig. Es herrschen große Spannungen und kriegsähnliche Zustände. Alle beten für die Rückkehr der Gefangenen, für die Gesundheit aller Soldaten und dafür, dass hier Frieden herrscht."

Lizy schickt auch ein Gedicht, das in die israelische Seele blicken lässt:

Time Zones
Orly Gutmann | Translation from Hebrew: Nadavi Noked

Between today and yesterday -
a day.
Between yesterday an the day before -
a day.
Between October seventh
And October sixth -
abyss dwells.
And There Was Evening, And There Was Morning -
living Hell.

Zeitzonen
Orly Gutmann | Übersetzung aus dem Hebräischen: Nadavi Noked

Zwischen heute und gestern -
ein Tag.
Zwischen gestern und vorgestern -
ein Tag.
Zwischen dem 7. Oktober
und dem 6. Oktober –
weilt der Abgrund.
Und Es Wurde Abend, Und Es Wurde Morgen –
lebendige Hölle.



Was ist der Abgrund? Um der Antwort auf diese Frage ein wenig näher zu kommen, einige Gedankensplitter: Israel hat sich verletzlich gezeigt, es ist keine sichere Heimat mehr für Jüdinnen und Juden, Institutionen wie Regierung und Armee haben andere, falsche (?) Ziele verfolgt. Nicht nur die Terrororganisationen Hamas und Islamischer Dschihad haben das bestialische Massaker am 07.10.2023 durchgeführt, auch „normale“ palästinensische Bürgerinnen und Bürger haben sich beteiligt und verstecken wohl auch immer noch Geiseln. Sie haben zu großen Teilen die Hamas gewählt, viele Palästinenserinnen und Palästinenser unterstützen sie auch heute offen. Immerhin soll die Zustimmung zur Hamas im Dezember 2023 gestiegen sein (https://www.pcpsr.org/en/node/961).

Wie soll der ersehnte Frieden werden? Können nicht Hamas und Islamischer Dschihad den Krieg und das Leid des eigenen Volkes beenden, indem sie die Geiseln frei lassen? Muss Israel sich nicht mit allen Mitteln verteidigen und schützen, das heißt: die Sicherheit des Staates und des Staatsvolkes wiederherstellen - um in Frieden leben zu können? Israel ist das erklärte Feindbild vieler Palästinenserinnen und Palästinenser. Ist für Israelis ein solcher Nachbar, der in großen Teilen die Vernichtung ihres Volkes im Sinn hat, ein verlässlicher Nachbar, mit dem man sich an einen Tisch setzen kann, um eine Zukunft zu planen?



Braucht Israel für Sicherheit und Frieden nicht Konsequenz und (unseren) Rückhalt im Kampf gegen den Terrorismus? Ganz ehrlich: Ist Israel wirklich der Stärkere, denn so empfinden wir es ja häufig, wenn wir die Bilder der Schuttberge in Gaza sehen? Wer hat heute den internationalen Rückhalt? Wer kann die schrecklichsten und mitleiderregendsten Bilder medial verbreiten und die Stimmung in der Welt beeinflussen? Wer denkt noch an den 07.10.2023, als sich der Abgrund öffnete?

Und in all dem Kriegsgeschehen nehmen die Israelis nun ihr Schicksal vermehrt wieder selbst in die Hand und blicken kritisch auf ihre Regierung, wie wir aus den Nachrichten über verschiedene Demonstrationen wissen. Das zeichnet Israel als eine Demokratie aus - auch im Krieg wird öffentlich um Positionen, Sichtweisen und Meinungen gerungen.

Egal, wie wir uns im Gaza-Krieg positionieren und wie wir die handelnden Parteien beurteilen (können wir das überhaupt? „Ihr geht nicht in unseren Schuhen“ - sagte einmal eine israelische Freundin), wir sollten unsere Freundinnen und Freunde in Ganey Tikva nicht vergessen, ihre Sichtweise respektieren und versuchen, ihre Gefühle zu begreifen. Freundschaft beweist sich in Krisen.

Hier sind unsere aktuellen Berichte:

Amos Oz: Esperanto - Die Geschichte von Martin im Kibbuz

Am Vorabend des Gedenktages an die Gründung der Staates Israel (14. Mai) hatte unser Verein in das Rathaus Stadtmitte zu einer Lesung aus der Kurzgeschichtensammlung von Amos Oz, „Unter Freunden“ eingeladen. Es handelt sich hierbei um acht Kurzgeschichten, deren Schauplatz ein Kibbuz der späten 1950er Jahre ist. Amos Oz hatte selbst als Jugendlicher einen Kibbuz zur Heimat gewählt. Zunächst aber …
Amos Oz: Esperanto - Die Geschichte von Martin im Kibbuz

Nie wieder...

... lassen wir es zu, dass unser Volk vernichtet wird. So werden viele Israelis denken, und vor diesem Hintergrund sehen sie den Präventivschlag gegen den Iran. Auch unsere Freunde in Ganey Tikva sind so motiviert. Mit dem Wissen um die Vernichtung von ca. sechs Millionen Juden im Holocaust und um alle Pogrome gegen Juden früher und heute, ist diese Einstellung …
Nie wieder...
Auf unserer Website gibt es noch viel mehr zu sehen. Schauen Sie doch mal rein!
Schalom und bis bald!

Susanne Schlösser
Städtepartnerschaft Ganey Tikva Bergisch Gladbach e.V.